Feuer, Tanz und Blumenkränze ~ unser Fest zur Sommer-Sonnen-Wende

Am 21. Juni haben wir den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert – Die Sommer-Sonnen-Wende.

An diesem Tag erreicht die Sonnenenergie ihren Höhepunkt, um danach wieder langsam abzunehmen. Dieser Übergang oder Gipfel war für alte Kulturen ein wichtiger Übergangs- bzw. Transformationspunkt. Es musste unbedingt rituell sicher gestellt werden, dass die Sonne an diesem kritischen Punkt nicht „aus der Bahn fliegt“ oder plötzlich erlischt. Hinzu kam, dass die Menschen die Kraft dieses besonderen Übergangs auch für ihre persönliche Transformation nutzten. Viele alte Bräuche und Geschichten ranken sich um diesen ganz besonderen Tag, dieses Hochfest der Sonne und der Fruchtbarkeit. Oft wird dieser Tag in Mitteleuropa aber gar nicht mehr gefeiert und viele alte Bräuche sind in Vergessenheit geraten. Das heißt aber nicht, dass die Bräuche verloren sind, oder das die Energie und die Bedeutung dieses Tages erloschen ist. In manchem Geschichten und Märchen und an manchen Orten findet man sie noch, die magischen Handlungen und Spruchformeln, die die Menschen befähigen diesen besonderen Tag gebührend zu feiern. Manches habe ich in Büchern oder im Internet gelesen, Vieles wurde mir von anderen erzählt und Einiges habe ich mir auch selbst intuitiv zusammengereimt. Hier erzähle ich, wie wir den Tag gefeiert haben und welche magischen Handlungen uns berührt haben.

Schmücke dein haupt mit 7 mal 7 Blüten ~ Blumenkränze für die Sommer-Sonnen-Wende

Unverheiratete Mädchen sammeln zur Sommer-Sonnen-Wende traditionell sieben Blumen bzw. blühende Wildkräuter binden sie zu Kränzen und schmücken damit ihren Kopf. Wichtig ist, dass die Blüten von sieben Wiesen stammen. Frau wandelt also am längsten tag des Jahres, wenn die Sonnenenergie ihren Höhepunkt erreicht hat, über 7 Wiesen und sammelt 7 (oder für einen größeren Kranz 7 mal 7) Blumen.

Das Sammeln muss in vollkommener Stille geschehen, damit der Wahrsage-Zauber der Blumenkränze funktioniert. Dieser Zauber bewirkt, dass Frau, wenn sie ihren Kranz in der Nacht der Sommer-Sonnen-Wende unters Kopfkissen legt von ihrem (zukünftigen) Lebenspartner träumt.

Da mein Sonnenwendkranz nicht ganz unters Kopfkissen gepasst hat, habe ich einfach 7 Blumen aus dem Kranz unters Kopfkissen gelegt (der Wahrsage-Zauber hat übrigens, zumindest meiner Meinung nach, funktioniert 😉). Den restlichen Kranz habe ich zum Trocknen in der Outdoor-Küche aufgehangen. Dann können die enthaltenen Heilkräuter gleich das essen vor Bösen Geistern schützen. Zum Übergang ins neue Jahr – zur Winter-Sonnen-Wende – werde ich den Kranz ins Feuer werfen, um das alte mit dem neuen Jahr zu verbinden und positive Veränderungen mit ins neue Jahr zu nehmen.

Schutz vor Bösen Geistern ~ Der Beifußgürtel 

Der Beifuß, auch „Machtwurz“ genannt, ist eine mächtige Heilpflanze, die sehr oft für Übergangsrituale benutzt wird. Er schützt vor Bösen Geistern, die spirituelle Veränderungen behindern und den Mensch in Verkrustungen festhalten, und fördert so die individuelle und intuitive Weiterentwicklung. Da die Sommer-Sonnen-Wende den Übergang in die zweite Jahreshälfte markiert ist sie selbstverständlich auch ein Fest des Übergangs. Die Tage werden nun wieder kürzer, aber trotzdem beginnt erst jetzt der heiße Sommer und die Erntezeit in der die Fruchtbarkeit der Erde offen zu Tage tritt. Frauen und Männer binden sich deshalb zur Sommer-Sonnen-Wende einen Beifußgürtel, auch Sonnenwendgürtel genannt, um die Taille.

Sie feiern und befördern damit die Fruchtbarkeit, ihre eigene und die der Muttererde und würdigen den Fluss der Veränderung, der allem Lebendigen zu Grunde liegt. Am Ende der Feier wird der Beifußgürtel rituell ins Feuer geworfen, um seine Energie auf die zweite Jahreshälfte auszudehnen.

Das Sonnenwendfeuer ~ Reinigung, Transformation, Energie

Zur Sommer-Sonnen-Wende entfacht man ein großes Feuer. Dieses Feuer hat gleich mehrere Funktionen. Zum einen wird es entfacht, um die Energie der Sonne, die sich an einem kritischen Wendepunkt befindet, zu befeuern und so den Übergang der Sonne in die zweite Jahreshälfte zu unterstützen.
Zum anderen setzt das Feuer transformative Kräfte frei und ist somit Hauptbestandteil vieler Sonnenwendrituale  (Verbrennen des Sonnenwendgürtels, Feuersprung, Räuchern…). Um unserem Feuer den besonderen Kick zu geben haben wir in einer Prozession einen trockenen Tannenbaum (von letztem Jahr Weihnachten) aus dem Wald geholt.

Der hat dann auch wirklich lichterloh gebrannt.

Frauen und Männer springen über das Sonnenwendfeuer, um seine Fruchtbarkeit und Transformationskraft in sich aufzunehmen. Paare, die Hand in Hand über das Feuer springen und sich dabei nicht loslassen, werden sich auch, so sagt es der Volksmund, ein Leben lang nicht verlieren.

Während der Feierlichkeiten wird immer wieder mit verschiedenen Kräutern geräuchert um die Sonnenenergie und Transformationsprozesse dieses Übergangstages zu stärken. Die Auswahl der Kräuter kann von Ort zu Ort verschieden sein, fast immer dabei sind aber Beifuß, Johanniskraut und Schafgarbe, die am längsten Tag des Jahres gesammelt werden.

Zu guter Letzt dient das Feuer noch als Tanzmittelpunkt, in manchen Regionen wird hierzu aber auch ein Sonnenwendbaum aufgestellt, um den herum getanzt wird. Getanzt wird immer in Sonnenrichtung um das Feuer herum. Dies symbolisiert und bekräftigt den Jahreszyklus und die unendlichen ineinander verwobenen Zyklen die das Leben ausmachen. Die Energie des Tanzes steigt kreisförmig und durch das Feuer beflügelt nach oben auf und hilft somit wieder der Sonne bei ihrem Übergang. Außerdem macht es einfach super viel Spaß gemeinsam wild ums Feuer zu tanzen.

Feiert ihr die Sommer-Sonnen-Wende?  Was macht ihr an diesem besonderen Tag?

Advertisements

3 Kommentare zu „Feuer, Tanz und Blumenkränze ~ unser Fest zur Sommer-Sonnen-Wende

Gib deinen ab

  1. Die Sonnwende mit ihren archaischen Bräuchen hat mich immer begeistert, aber eine richtige Feier habe ich leider noch nicht in mein Erwachsenenleben integriert. Meine faule Ausrede ist, dass es mir an begeisterten Mitmachern fehlt. Natürlich kann man Feste auch allein begehen, aber mich hat halt schon als Kind diese dorfgemeinschaftliche Feier bei den Kindern aus Bullerbü fasziniert. Zwei- oder dreimal haben wir auch mit den Pfadfindern Sonnwendfeiern (in der katholischen Version) gemacht, die wunderschön waren und deren Atmosphäre ich bis heute irgendwo als Ideal im Kopf habe.

    Einzelne Elemente lassen sich ja zum Glück auch unauffällig in den Sommeralltag integrieren, etwa der Kranz, das Räuchern mit Beifuß und Johanniskraut und das Feuer (wenn auch nur in der Grillschale). Dieses Jahr habe ich auch, weil es sich gerade so anbot, einen Sonnenkreis aus Meerkieseln am Strand gelegt. Aber das ist natürlich kein Ersatz für eine Feier mit Gleichgesinnten, und so machen deine Fotos mich gerade ein bisschen wehmütig… vielleicht ein Motivationsschub, Brauchtum wie dieses wieder aufleben zu lassen!

    Gefällt 1 Person

    1. Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hatte auch jahrelang den Wunsch alte Bräuche und Traditionen auch wirklich zu leben und Feste zu feiern, aber habe mich damit ziemlich allein gefühlt. Ein Fest mit Gleichgesinnten ist doch immer etwas anderes als alleine zu feiern. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es in der eigenen Umgebung doch sehr viele Menschen gibt, die sich auch für diese Feiern interessieren, besonders solche von denen man es vielleicht nicht gedacht hätte. Wenn man den Wunsch nach solchen Feierlichkeiten immer mal wieder bei verschiedenen Menschen anspricht, finden sich ganz sicher ein paar Begeisterte zusammen mit denen man gemeinsam feiern kann. Über das Internet hat man ja eh immer mehr die Möglichkeit Gleichgesinnte zu finden, auch wenn sie ein bisschen weiter weg wohnen 🙂

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: