Spaziergang und Wildnispflaster

Gestern habe ich einen schönen ausgedehnten Spaziergang gemacht. Immer wieder genieße ich es, wie schön grün jetzt alles ist und wie sehr die Natur aufblüht.

Beim Zunder sammeln habe ich mir leider ordentlich in den Finger geschnitten. Zum Glück ist ein unberührter Bachlauf und seine Ufer eine gute Wildnisapotheke. Unter anderem ist der Spitzwegerich bekannt für seine wundheilenden Eigenschaften und stoppt den Blutfluss aus einer Wunde. Schnitte und kleine Wunden kann man daher wunderbar mit einem Spitzwegerich Pflaster versorgen, nachdem man die Wunde ein bisschen hat Bluten lassen, damit möglicher Schmutz ausgespült wird.

Für ein solches Spitzwegerich Pflaster nimmt man ein Spitzwegerichblatt und drückt es so lange zwischen den Fingern, bis der Saft austritt, oder man zerkaut es. Dann legt man es auf die Wunde und umwickelt alles mit ein paar ganzen Spitzwegerichblättern. Noch mit einem Hölzchen feststecken und fertig.

Abends gabs dann auch noch leckeres Lagerfeueressen. Mhh… so kann ein Tag ausklingen.

Sauerkraut

Zur Selbstversorgung gehört natürlich auch die Aufbereitung und das Haltbarmachen von Lebensmitteln. Sauerkraut selbst anzusetzen habe ich hier das erste mal ausprobiert und es war ganz wunderbar und gleichzeitig wunderbar einfach. Der erste Ansatz ist schon aufgegessen, aber heute haben wir neues Sauerkraut angesetzt. Sauerkraut kann jeder zu Hause selber machen und deshalb folgt hier eine kleine Anleitung.

Sauerkraut ansetzten – man benötigt:

  • Sauerkrauttopf (oder wenn man nicht so viel auf einmal ansetzen möchte ein großes Einmachglas)
  • Weißkraut
  • Gemüsehobel
  • äußere Kohlblätter
  • Stampfer
  • Küchenhandtuch, Gummi/Kordel
  • Salz
  • Starter (lebendiges Sauerkraut oder lebendiges Sauerkrautwasser – braucht man aber nicht unbedingt, es beschleunigt nur die Gärung)
  • Pfefferkörner, Kümmel, Wacholderbeeren

So geht’s:

Zuerst muss das Weißkraut klein gehobelt werden.

Danach wird eine Schicht gehobeltes Weiskraut in den Steintopf (oder ein anderes stabiles Gefäß) gegeben und gestampft. Man stampft das Kraut so lange, bis es etwas labberig aussieht und gelblich wird.

Hier sieht man schön den farblichen Unterschied: rechts/unten das gelbliche schon gestampfte Kraut links/oben das noch weiße neue Krau

Nun gibt man etwas Salz (je mehr Salz, desto länger dauert die Gärung, desto haltbarer wird aber auch das Kraut), ein bisschen Kümmel, ein paar Pfefferkörner und eine Wacholderbeere aufs Kraut. Dann kommt die nächste Schicht Kraut oben drauf und es wird wieder gestampft und gewürzt.

Wenn das ganze Kraut gestampft ist (es sollte saften, muss aber nicht im eigenen Saft schwimmen) legt man einen Deckel aus Kohlblättern auf das gestampfte Kraut.

Jetzt legt man noch einen Teller auf die Kohlblätter und beschwert alles mit einem mit Wasser gefüllten Einmachglas (wenn man im Einmachglas ansetzt mit einem gefüllten Marmeladenglas). Zum Schluss wird nun der Starter aufgegossen, ungefähr bis das Einmachglas zur Hälfte  in Flüssigkeit steht. Wenn man keinen Starter hat gießt man mit Wasser auf (in das Wasser kann man noch etwas Salz geben).

Der Topf wird nun noch mit einem Handtuch vor Fliegen und Staub geschützt.

Jetzt muss man nur noch warten. In ein bis zwei Tagen (je nachdem wie warm es ist und ob man einen Starter benutzt) wird die Gärung einsetzen. Man sollte jeden Tag das Kraut kontrollieren. Wenn sich an der Wasseroberfläche weiße Schlieren bilden, oder Krautteile nach oben schwimmen, ist das nicht schlimm (auch Schimmel ist kein Drama!). Man versucht einfach täglich die Schwebstoffe von der Oberfläche abzuschöpfen.

Faustregel: solange das Kraut vollständig von Flüssigkeit bedekt ist, kann nichts passieren. Trotzdem sollte man immer auf die eigene Nase und den eigenen Gaumen vertrauen. Falls das Kraut schlecht/muffig riecht oder komisch schmeckt, sollte man es lieber weg tun.

Wenn das Kraut nach mehr oder weniger vielen Tagen lecker sauer nach Sauerkraut riecht kann es gegessen werden. Entweder alles auf einmal oder portionsweise, das ist egal. Wenn man eine Portion isst, sollte man aber den Teller und das Gewicht reinigen und den Kohldeckel erneuern. Der letzte Rest vom Sauerkraut bzw. etwas vom Sauerkrautwasser kann man hervorragend als Starter für den nächsten Ansatz nutzen.

Nun nochmal die Kurzfassung:

  • Kraut schneiden
  • Kraut stampfen
  • salzen/würzen
  • mit Flüssigkeit aufgießen

Man kann beim Fermentieren super experimentieren: zum Beispiel mit verschiedenem Gemüse, mit verschiedenen Gewürzen, mehr oder weniger Salz, verschiedene Lager Standorte (im Keller, in der Küche, Sonne, Schatten etc.) und noch veil mehr. Wenn man einmal das Prinzip verstanden hat sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Habt Spaß und probiert euch aus!

natürlich Leben

Seit ein paar Wochen lebe ich so naturnah wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ich schlafe in einem Zelt, oder unter freiem Himmel, stehe mit dem Sonnenaufgang auf und gehe schlafen wenn die Kohlen des Lagerfeuers nur noch glimmen. Ich esse nur selbst gekochte, unverarbeitete Speisen, wasche mich mit Wasser, kühle mich im Bach ab und erlebe das Wetter immer hautnah.

Für manche hört sich das vielleicht unbequem an, für mich ist es einfach nur wunderbar. Das Leben in und mit der Natur macht mich wach und lebendig, es schenkt mir ungeahnte Energien und vor allem macht es mich stark und mutig. 

Hier flöst mir die Natur Achtung ein, aber keine Angst. Sie zeigt mir, wie sensibel und feinfühlig ich sein kann und lässt mich gleichzeitig spüren wie robust und widerstandsfähig ich bin.

Das Leben in der Natur öffnet die Augen (und die Nase). Alle Sinne werden schärfer und die Empfindungen weiten sich. Jeden Morgen die Sonne aufgehen zu sehen und jeden Abend die Mondphase wahrzunehmen gibt mir ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit dem Leben und der Lebendigkeit. 

Danke Mutter Wildnis!

Veränderung

manchmal sehne ich mich nach großen Veränderungen: um mich von schlechten Gewohnheiten zu lösen, aufgestaute Lethargie abzuschütteln, mich vom erwerbstätigen Hamsterrad zu erholen, neue Ideen zu finden, mich selbst neu zu entdecken und mein Leben in eine neue (oder alte) Richtung zu schubsen. 

Diese Sehnsucht nach einem neuen Anfang kommt immer dann auf, wenn ich in meinem Leben das Gefühl für das Lebenswerte verloren habe. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Zeiten des Umbruchs, der Veränderung und der Brüche mit Gewohntem sich zyklisch in mein Leben weben. Immer mal wieder ist es an der Zeit Altes und Gewohntes hinter sich zu lassen und in die Fremde aufzubrechen, denn Leben bleibt nur durch Veränderung lebendig und kraftvoll.

Letzten Herbst war ich wieder in einer verkrusteten Phase: das alltägliche Leben erschien fad, die Beschäftigungen blass, oder beschwerlich und mein Innerstes wurde rastlos. Damals habe ich mich gefangen gefühlt, gelähmt, antriebslos. Zuerst fühlte ich mich lange kraftlos, aber dann auf einmal wusste ich, dass ich auf der Suche war. Nach was wusste ich zu dieser Zeit zwar noch nicht, aber ich wusste, dass eine Veränderung bevorstand, etwas Neues. Ein Abenteuer. 

Wie das Leben so spielt wurde ich zufällig auf diesen Artikel aufmerksam und wusste sofort: das musst du machen. Jetzt bin ich seit März mittendrin in meinem wilden Selbstversorgungsabenteuer und fange langsam an, die ersten Eindrücke in meinem Kopf zu sortieren und zu verarbeiten. Nur soviel weiß ich jetzt schon: dieses Abenteuer wird mich herausfordern, lockern, mutiger machen und mein Leben für immer verändern. 

Ich bin dankbar für diese neue Möglichkeit, für die Menschen, die ich dort kennenlernen darf, die neuen Erfahrungen und für die Freude und die Motivation, die ich spüre. Aber ich bin auch dankbar für die Krustenphasen in meinem Leben: für all die schweren und dunklen Tage, die untrennbar mit meinem Sein verbunden sind. Die mir schwer fallen und mir Angst machen, die für meinen Weg aber genauso wichtig und wertvoll sind, wie die hellen Zeiten, weil sie mir den Anstoß geben weiter zu gehen. Danke an meine dunkle Seite, das Vergehen, die Schwere und die Antriebslosigkeit. Ihr seid ein wichtiger Teil meines Lebens. 

Mein wildes Selbstversorgerabenteuer 

seit Anfang März nehme ich mir eine Auszeit vom „normalen“ Leben. Ich habe mich aus Deutschland verabschiedet und lebe nun ein halbes Jahr in Österreich und nehme hier am wilden Selbstversorgerabenteuer teil. 

Gemeinschaftlich gestalten wir hier ein Fleckchen Erde und Leben in und mit der Natur.

In diesem Projekt geht es für mich darum, freier zu sein, wilder zu Leben und das Leben in Gemeinschaft auszuprobieren. Daneben lerne ich auch noch alles Mögliche über die Selbstversorgung,  handwerkliche Techniken, Wildnisskills und am meisten wahrscheinlich über mich selbst.

Ich lebe hier sehr naturnah mit 13 anderen wundervollen Menschen und erweitere Tag für Tag meinen Horizont. Sei es durch Gespräche, Projekte oder durch inspiriertes Nachdenken und Reflektieren.

In der nächsten Zeit werde ich immer mal wieder von meinen Erfahrungen berichten und mein Abenteuer mit euch teilen.

Folientunnel

Lange hat es gedauert, aber jetzt ist endlich unser Folientunnel/Gewächshaus fertiggestellt und die ersten Pflänzchen sind eingezogen. Juhuu!

 Wir sind super stolz und freuen uns jetzt schon darauf, wie das ganze aussehen wird, wenn erstmal alles wild bewachsen ist. 

Gepflanzt/Gesät sind jetzt verschiedene Kohlsorten, Tomaten, Bohnen, Paprika, Gurken, Porree, Möhren, Mais und ganz viele Kräuter. Alles in bunter Mischkultur, damit sich die Pflanzen gegenseitig im Wachstum unterstützen können. 

Außerdem sind unsere Chili-Pflanze, die Avocado-Bäume, sowie 8 Feigen-Stecklinge eingezogen. Wir sind super gespannt, wie sich alles entwickeln wird 😊

Ostereier – Selber Färben mit Naturmaterialien

Frohe Ostern!

Es grünt und blüht, der Frühling ist da und wir haben (fast) Ostern. Überall draußen erwachen knallige Farben wieder zum Leben, ob an Bäumen, Sträuchern oder Blumen. Eine tolle Zeit also, um mit Farben aus der Natur zu experimentieren.

Viele Wildkräuter und Gemüsesorten schmecken nicht nur wunderbar, sondern bringen wortwörtlich auch Farbe in unser Leben. Ich habe in der Vergangenheit immer mal wieder von der Färbkraft verschiedener Pflanzen gehört oder gelesen. Beispielsweise Stoffe kann Mensch wohl wunderbar mit Materialien aus der Natur färben, aber auch Papier, oder Holz. Soweit die Theorie – selbst ausprobiert habe ich es irgendwie noch nie.

Praktischer Weise legen unsere Hühner jetzt nach der Winterpause wieder fleißig Eier, die für das Osterfest hübsch dekoriert werden wollen. Somit hatte ich direkt einen Anlass und ein paar Kandidaten für das erste Färbe-Experiment.

Eier mit Naturfarben färben

Ich habe unsere Eier mit drei „Färberpflanzen“ gefärbt:

  • Brennesseln (färben hell-grün/gelblich)
  • Gelbe Zwiebeln (färben gelb-orange)
  • Rote Zwiebeln (färben rot-braun)

Das Färben an sich geht ganz einfach, es nimmt aber etwas Zeit in Anspruch. Bei den Brennsseln nimmt man bevorzugt die grünen Triebspitzen, bei den Zwiebeln jeweils nur die äußersten Schalen, also die „Papierschicht“. 
Die Pflanzenteile werden jeweils ca. 1 Stunde in Wasser gekocht (am besten verwendet man einen Emaillie-Topf, da sich bei Edelstahltöpfen die Farbe festsetzen kann). Dabei sollte nur so viel Wasser verwendet werden, wie zum kochen der jeweiligen Eier später benötigt wird, weil die Farbe sonst unnötig „verwässert“ wird. Ich habe jeweils soviel Material genommen, wie mit Wasser bedekt werden konnte (also lieber viel Färbematerial und wenig Wasser).

Während der Sud kocht, werden die Eier mit Essigessenz gereinigt, damit die Farbe später besser haften bleibt. Dafür einfach einen Lappen mit Essigessenz beträufeln und die Eier damit abreiben.

Ich habe die Eier unserer Hühner (die von Natur aus unterschiedlich gefärbt sind) nach Farbe sortiert. Damit die Farben richtig gut zur Geltung kommen, werden helle Eier am besten in hellen Tönen gefärbt, dunkelere Eier in kräftigeren Farben. Da kann man aber seiner Experimentierfreude freien Lauf lassen und die unterschiedlichsten Kombinationen ausprobieren. Die hellen Eier wurden bei mir mit Brennesseln gefärbt, die beigen mit gelben Zwiebeln und die dunklen mit roten Zwiebeln.

Nachdem in der Zwischenzeit die Pflanzenteile gut ausgekocht sind, gießt man die Flüssigkeit durch ein Sieb ab (z.B. in ein Einmachglas). Der Sud sollte eine kräftige Farbe haben, damit die Eier auch schön farbig werden. 

Nun werden die Eier im Sud gekocht, genau so, wie man sie auch normal hart kochen würde. Am besten gibt man einen Schluck Essig mit in den Farbsud, damit die Eier keine Risse bekommen.
Das Ergebnis

Von den Farbergebnissen der gelben und roten Zwiebelschalen bin ich komplett begeistert! Die gelben Zwiebelschalen haben die Eier rot-orange gefärbt, die roten Zwiebelschalen haben einen intensiven Schokoladen-Farbton ereugt. Mhh.. da sehen die Eier doppelt lecker aus! 

Die Brennesseln haben mich in der Farbintensität etwas enttäuscht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man das Farbergebnis intensivieren kann, wenn man bei der Sud-Herstellung immer mal wieder neue Brennesseln mitkocht.

Im Osternest machen sich die natürlich gefärbten Eier meiner Meinung nach ganz super 🙂